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Kreuzfahrtschiff „Aida Mira“: Chance verpasst zur Do-it-yourself-Kreuzfahrt

2. Dezember 2019, 15:35 UhrKreuzfahrtschiff „Aida Mira“:Chance verpasst zur Do-it-yourself-KreuzfahrtDie „Aida Mira“ bleibt überraschend im Hafen, der Umbau war doch noch nicht fertig. Hätte man nur die Passagiere anpacken lassen!Glosse von Katja SchnitzlerAm Samstag sah es noch ganz gut aus für Aida Cruises, als Model Franziska Knuppe bei der großen Taufe vor Palma de Mallorca gemeinsam mit Kapitän Manuel Pannzek auf ein Knöpfchen drückte, das die Sektflaschen-Halterung löst. Neu ist nur der Name Aida Mira, das Schiff ist schon seit zwei Jahrzehnten auf den Meeren unterwegs.Doch als die Passagiere am nächsten Tag winkbereit zur Abfahrt an Deck standen, verkündete Kapitän Pannzek über Bordlautsprecher die unerfreuliche Botschaft: Weder am Sonntag noch Montag geschweige denn Dienstag geht es auf Mittelmeer-Fahrt. Die Schönheitskur war noch nicht abgeschlossen, das Schiff konnte sich so nicht blicken lassen, räumte die Reederei reumütig ein und definierte damit „kurzfristige Absage“ für die Kreuzfahrt-Branche neu. Schuld sei der Starkregen im Süden, er habe die Arbeiten am Außendeck verzögert. Innendrin glänzte aber auch nicht alles wie es sollte, berichteten verärgerte Passagiere.Daher durften die Kunden, denen die Reisekosten erstattet werden, wählen: heimfliegen oder auf der Baustelle bleiben. Wer nicht gleich abreist, soll mit Landausflügen milder gestimmt werden. Auch in Palma de Mallorca dürfen die Leute nun mehr Zeit verbringen, als Einzelhändler, Restaurant- und Cafébesitzer sonst von Kreuzfahrtgruppen gewöhnt sind.Wegen ein paar Paletten Holzplanken, wegen Zementsack-Stapeln, wegen nicht akkurat aufgetürmter Sonnenliegen und einiger sanitärer Einrichtungen, die offenbar aussahen wie bereits benutzt, hat die Reederei die Viertages-Kreuzfahrt also lieber ausfallen lassen. Was für eine verpasste Chance! Statt die ganze Fahrt abzusagen, hätte Aida Cruises einen neuen Trend auf See setzen können: die DIY-Kreuzfahrt.Es wäre doch alles da gewesen für die kreativen Reisenden von heute: Mit dem Zement hätten sie haltbare Wälle um ihre Liegen bauen können, als Schutz vor Wind und Nachbarn. Die Liege müsste erst beim Riesen-Mikado aus dem Stapel gezogen werden, ohne dass dieser auf die Umstehenden stürzt – ein Live-Gesellschaftsspiel, das nicht nur in Sozialen Medien gut ankäme.Und erst die Gestaltungsvielfalt, die Holzpaletten bieten: Wie schnell wäre daraus eine Halterung für den Bug gezimmert, um die romantische Titanic-Filmszene als menschliche Galionsfigur nachspielen zu können – Nervenkitzel inklusive („Halten die Schrauben, was der Hersteller verspricht?“). Aus den Resten würde ein Holzsteg für nachhaltige Naturwasserschwimmer, die so direkt von Deck in die chlorfreien Wellen tauchten. Die extrem erfrischten Schwimmer ließen sich leicht mit leeren Umverpackungen wieder an Bord hieven.Die Besatzung hätte also jedem Passagier statt einer Schwimmweste einfach einen Handwerkergurt aushändigen können, aus Baumaterial-Resten wären Aussichtstürme entstanden, zwischen denen die Urlauber Hängematten gespannt hätten. Darin schaukelten sie ein wenig, bevor sie weitergearbeitet hätten am Mast mit selbstgenähtem Segel, um dem alten Schiff zu neuen Umweltstandards zu verhelfen. An Kabinen ohne Balkon wären Do-it-yourself-Plattformen angeschraubt worden, mit Design-it-yourself-Stühlen für Feed-yourself-Angler. Johlend hätten die Hochseehandwerker ihre Favoriten beim Finale der Gabelstapler-Meisterschaften (wer beim Liegen-Slalom kippt, verliert) angefeuert.Ach Aida. Es hätte so schön sein können.
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