Menü +

Musical in Hamburg: Sie ist die neue „Pretty Woman“: Patricia Meeden verrät, was sie an Julia Roberts bis heute bewundert

Der Film ist weltberühmt – und seit zwei Jahren begeistert „Pretty Woman“ auch die Musical-Zuschauer in den USA. Der Liebesfilm feierte 2017 seine gesungene Weltpremiere in Chicago, wurde ein Jahr später an den Broadway nach New York geholt. Nun kommt die Aufführung samt ihrer Lieder von Bryan Adams nach Deutschland. „Stage Entertainment“ realisiert die Produktion in Hamburg, neben „König der Löwen“ wird im Hamburger Hafen nun „Pretty Woman“ zu sehen sein. An diesem Wochenende feiert das Musical seine Europapremiere. Mark Seibert spielt die männliche Hauptrolle des Edward Lewis, Patricia Meeden verkörpert Vivian Ward.Die Berlinerin mit kubanischen und dänischen Wurzeln ist ein bekanntes Gesicht der Musical-Szene. Sie spielte unter anderem in „Bodyguard“, „Aida“ oder „Zorro“ Hauptrollen. Zudem war und ist sie in diversen TV-Produktionen zu sehen, zum Beispiel in „Soko Leipzig“ und „Soko Köln“, im Rosamunde-Pilcher-Film „Das Gespenst von Cassley“ oder in der ZDF-Reihe „Team Alpin“.Im Interview mit dem stern spricht die 33-Jährige über ihre neue Rolle.Frau Meeden, wie oft haben Sie den Film „Pretty Woman“ gesehen?Patricia Meeden: Tatsächlich nicht so oft, wie man vermuten würde. Ich schätze drei-, maximal viermal.Haben Sie den Film in den vergangenen Wochen oder Monaten noch einmal ganz gezielt geschaut?Ich habe vor dem Casting bewusst darauf verzichtet, ihn noch einmal anzuschauen, um nicht die Copycat zu machen. Aber als er kürzlich im Fernsehen lief, konnte ich nicht widerstehen. Da habe ich ihn mir angesehen.Und wie hat es sich angefühlt, Julia Roberts als Vivian zu sehen?Die Aufregung, die Vorfreude, die sind da. Bei manchen Szenen dachte ich mir: Unglaublich, wie sie geschafft haben, aus einem gesprochenen Vivian-Monolog einen kompletten Song zu machen. Das fand ich faszinierend. Und klar, Julia Roberts ist die Königsklasse – da habe ich ordentlich Druck.Ist es Fluch oder Segen, dass so gut wie jeder den Film kennt und Roberts in dieser Rolle glänzte?Ich weiß schon, viele Leute sagen: „Oh, da wirst du mit ihr verglichen.“ Sollen die Menschen doch vergleichen, ich bin ganz anders, da gibt es nicht viel zu vergleichen. Aber klar ist: Julia Roberts ist pure Inspiration. Ich liebe ihre Natürlichkeit. Ich möchte nicht auf Krampf eine neue Vivian erfinden, denn Julia ist ein Vorbild. Was sie toll gemacht hat, werde ich auch versuchen zu übernehmen. Zumal ich beruflich ja im Schwerpunkt Schauspielerin bin. Ich will alles ehren, was sie vorgelegt hat, ohne mir selbst untreu zu werden. Und immerhin habe ich dieses Mal einen Vorteil: Ich singe nicht gegen Whitney Houston an, wie es bei „Bodyguard“ war. Zum Glück kann Julia Roberts nicht auch noch singen. (Lacht.)

Wochenlang probten Patricia Meeden und Mark Seibert gemeinsam. Nun feiert „Pretty Woman“ in Hamburg Premiere.

Warum stehen Sie denn als Schauspielerin überhaupt noch bei Musicals auf der Bühne?Ich liebe und ich brauche die Abwechslung. Ich wollte mich vor zwei Jahren schon vom Musical verabschieden und mehr aufs Drehen konzentrieren, aber es kamen so gute Rollen, die ich nicht ablehnen konnte und ich brauche das Live-Erlebnis doch immer wieder. Ich liebe den Nervenkitzel, ich bin eine geborene Rampensau. Noch bekommt man mich nicht von der Bühne weg. Ich finde es grundsätzlich schade, dass wir in Deutschland so sehr in Schubladen denken. Am Broadway ist es völlig normal, dass Filmschauspieler auch wieder auf die Bühne gehen. Es erdet einen sehr, direktes Feedback zu bekommen. Für gute, aber eben auch mal nicht so gute Tage. Es besteht weniger Gefahr abzuheben.Und der Live-Druck belastet Sie nicht?Das kommt immer auf die Rolle an. Bei Bodyguard musste ich 14 weltbekannte Hits jeden Abend alleine bewältigen, da herrschte in meinem Kopf enormer Druck. Aber in diesem Stück singe ich weniger und viel im Duett, da bin ich entspannter. Hier haben wir ein total positives Stück, was komisch klingt, weil ich hier die Prostituierte spiele. Aber wir haben so eine schöne Stimmung auf der Bühne, mit einem sehr angenehmen Cast – in den letzten Wochen verspürte ich vor allem Vorfreude. Man geht mit guter Laune rein und mit guter Laune raus.Das war bei „Bodyguard“ anders?Meine Rolle hat drei Jahre lang kein Happyend bekommen. Ich habe „I will alway love you“ gesungen, ohne den Mann zu kriegen. Jeden Abend. Ich liebe dramatische Rollen, aber irgendwann färbt das ein wenig ab und ich muss dann auch mal wieder was Fröhliches spielen. So gesehen tut mir diese positive Rolle sehr gut. Und sie macht riesengroßen Spaß. Zumal sie so viele Facetten hat. Vivian durchlebt alles, was geht. Comedy, die Verführerin, ihr wird das Herz gebrochen, dann verliebt sie sich, was sie nicht soll – da sind so viele Brüche drin, da ist von allem was dabei. Allerdings bin ich echt eine Heulsuse auf der Bühne. Ich werde sehr aufpassen müssen, dass ich nicht weine. Denn weinen und singen gleichzeitig, das kann ich nicht so gut.Auf Knopfdruck gute Laune zu haben, klappt das denn so einfach, wenn man jeden Abend auf der Bühne steht? Das muss auch anstrengend sein.Ehrlich gesagt: Wenn der anstrengende Proben-Prozess mal rum ist, ist der Job nicht mehr so hart. Du kommst, schminkst dich, rockst das Ding durch und gehst wieder nach Hause. An manchen Tagen kommen natürlich tagsüber noch Proben dazu. Andere müssen aber acht Stunden hart arbeiten. Mein Job ist geballt in kurzer Zeit. Und ich mache das, was ich liebe, so cheesy das klingt. Es strengt körperlich an, aber es macht riesengroßen Spaß. Ich würde mir nie erlauben, mich über den Druck oder die Anstrengung zu beschweren. Zumal ich ein sehr energetischer Mensch bin, ich bin schon auch aufgekratzt. Bei der Arbeit, privat dann gar nicht. Das einzige, was schade ist, ist, dass ich am Wochenende oft Doppelshows habe, wenn andere feiern gehen. Das Privatleben ist schwierig zu vereinbaren, wenn man jemanden hätte, der nicht in dem Beruf ist.Und welche Rolle spielt die Stadt Hamburg für Sie?Wir haben hier ein riesiges Haus in der wichtigsten Musical-Stadt Deutschlands. Und ein neues Haus, was super ist, weil ich eine Stauballergie habe und daher in alten Theatern sehr leide. Ich musste mich allerdings erst an die Fähre zum Theater gewöhnen, die habe ich ständig verpasst und musste den ewigen Umweg durch den Tunnel nehmen, das war etwas nervig, aber mittlerweile sehe ich das anders. Es ist wunderschön, nach dem Theater zurückzufahren, das Wasser zu sehen, die frische Luft. Ich genieße das sehr und bin schnell in Hamburg angekommen.Und nach der Show geht es wieder aufs Boot …Wir sind die ersten, die raus sind, manchmal schneller als das Publikum. Ab in die Garderobe, Perücke abnehmen, unter die Dusche, nach 20 Minuten bin ich auf dem Weg nach Hause. Und wir kommen ja sofort aufs Boot, müssen nicht warten.Und wenn Sie auf dem Schiff Besucher des Musicals beim Gespräch zuhören würden – was wünschen Sie sich als Fazit der Gäste?Dass sie berührt waren, dass sie Spaß hatten. Ich wünsche mir, dass sie, falls sie Sorgen hatten, diese für zweieinhalb Stunden vergessen konnten und Hoffnung haben. Denn dieses Stück erzählt so viel von Hoffnung und Liebe – ich hoffe, die Menschen gehen beflügelt raus. Wir Deutschen sind ja ein bisschen meckerig. Da können wir alle ein bisschen positives Denken gebrauchen.
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: